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PSUR & Reports

PSUR erstellen — Leitfaden für Klasse IIb implantierbar und Klasse III

Schritt-für-Schritt-Leitfaden zur PSUR-Erstellung für hochregulierte Medizinprodukte: MDCG 2020-8 Template, EUDAMED-Upload, häufige Fehler, Zeitplan.

2026-04-124 Min. Lesezeitvon MediLit-Scout Team

Der Periodic Safety Update Report (PSUR) ist für Klasse-IIb-implantierbare und Klasse-III-Medizinprodukte das zentrale Vigilanz-Berichtsdokument. MDR Art. 86 schreibt jährliche Aktualisierung vor, MDCG 2020-8 liefert das verpflichtende Template, EUDAMED ist die Übermittlungsplattform für hohe Klassen. Dieser Leitfaden zeigt den vollständigen Workflow von der Datenerhebung bis zur Notified-Body-Übermittlung — mit realistischer Zeitplanung und den 7 häufigsten Fehlern.

Wann ist ein PSUR fällig?

Klasse III und Klasse IIb implantierbar: PSUR mindestens jährlich, Übermittlung über EUDAMED an Notified Body. Klasse IIb nicht-implantierbar: PSUR jährlich, an Notified Body als Teil des QMS-Audits. Die Berichtsperiode beginnt typisch mit dem Datum des CE-Zertifikats und läuft im 12-Monats-Rhythmus weiter.

Wichtig: der PSUR soll innerhalb von 60 Tagen nach Ende der Berichtsperiode finalisiert sein. Bei Verspätungen: Notified Body kann das Zertifikat aussetzen — in der Praxis selten, aber rechtlich möglich.

MDCG 2020-8 Template — Pflicht-Struktur

Der MDCG 2020-8 PSUR-Template gibt eine 11-teilige Pflicht-Struktur vor:

1. Verwaltungsinformationen

Hersteller, SRN, UDI-DI, Berichtsperiode, Datum, Verantwortliche Personen (PRRC).

2. Zusammenfassung

Maximal 2 Seiten — wichtigste Erkenntnisse, Trends, Korrekturmaßnahmen, Risiko-Nutzen-Bewertung.

3. Risiko-Nutzen-Bewertung

Aktualisierte Bewertung gegenüber dem letzten PSUR/CER. Belegt durch neue Daten — Literatur, Vigilanz, PMCF.

4. Anwendung der PMS-Daten

Übersicht aller PMS-Aktivitäten der Berichtsperiode: Anzahl Suchen, Anzahl Reklamationen, Anzahl Vigilanz-Meldungen, Anzahl FSCAs.

5. Statistik der Vorkommnisse

Tabellarische Auswertung: meldepflichtige Vorkommnisse, FSCAs, nicht-meldepflichtige Vorkommnisse, Trend-Analyse nach Art. 88.

6. Schlussfolgerungen aus PMS-Datenanalyse

Was haben die Daten gezeigt? Welche Hypothesen wurden verfolgt? Welche Erkenntnisse haben sich bestätigt?

7. Aktualisierung der klinischen Bewertung

Verweis auf CER-Update, Status der laufenden PMCF-Aktivitäten, neue klinische Evidenz.

8. PMCF-Status

Welche PMCF-Aktivitäten laufen? Welche Ergebnisse wurden gewonnen? Pflicht für Klasse IIb impl./III.

9. Gebrauchsanweisung / IFU-Aktualisierungen

Wurden Warnhinweise oder Anwendungsbeschränkungen aktualisiert?

10. Korrekturmaßnahmen / Vorbeugemaßnahmen

CAPA-Übersicht der Berichtsperiode mit Status (offen/abgeschlossen).

11. Anhänge

Suchprotokolle, Treffer-Tabellen, Volltexte relevanter Studien, Statistik-Detailauswertungen.

Realistische Zeitplanung

Aus DACH-Hersteller-Erfahrung: Erstellung eines PSUR für ein Klasse-III-Produkt benötigt typisch 80–140 Personenstunden, verteilt auf 6–10 Wochen. Aufgaben-Verteilung:

  • Datenextraktion und Bereinigung: 20–30 h
  • Literatur-Recherche und -Bewertung: 30–60 h
  • Vigilanz-Korrelation (FDA MAUDE + BfArM + intern): 10–20 h
  • Trend-Analyse und Statistik: 8–15 h
  • Word-Formatierung im MDCG-Template: 5–10 h
  • PRRC-Review und Freigabe: 4–8 h
  • EUDAMED-Upload und XML-Konvertierung: 2–4 h

Wer die Literatur-Recherche automatisiert (z. B. mit MediLit-Scout), reduziert die 30–60 Stunden auf 5–10 Stunden Review-Zeit pro Wochenreport — über 12 Monate also ca. 80 % Aufwandsreduktion in diesem Block.

Die 7 häufigsten PSUR-Fehler

1. Suchstring nicht reproduzierbar dokumentiert

Notified Body erwartet bei Re-Audit, dass die Suche identisch wiederholt werden kann. Manuelle Excel-Notizen reichen nicht.

2. Trend-Analyse fehlt oder ist methodisch dünn

Reine Auflistung von Vorkommnissen ohne Sigma-Berechnung wird zunehmend beanstandet.

3. Risiko-Nutzen-Bewertung wiederholt nur den letzten PSUR

Ein PSUR muss zeigen, was sich seit dem letzten geändert hat. Copy-Paste ist Major Non-Conformity.

4. PMCF-Status wird oberflächlich behandelt

„PMCF läuft planmäßig" reicht nicht. Konkrete Studien-Status, Patientenzahlen, Zwischenergebnisse erforderlich.

5. CAPA-Übersicht ist unvollständig

Korrekturmaßnahmen, die in der Berichtsperiode initiiert oder abgeschlossen wurden, müssen lückenlos dokumentiert sein.

6. EUDAMED-XML schlägt Validierung fehl

Strukturelle Fehler im XML (Pflichtfelder fehlen) führen zu Upload-Fehlern. Validator-Tools nutzen vor dem finalen Upload.

7. PRRC-Freigabe nach Versand

Der PRRC muss VOR der Übermittlung an EUDAMED freigegeben haben — sonst formaler Verstoß gegen Art. 15.

Wie MediLit-Scout den PSUR-Workflow vereinfacht

MediLit-Scout deckt die literaturbezogenen PSUR-Sektionen (Punkte 4, 5, 7 der MDCG-Struktur) automatisch ab:

  • Sektion 4 PMS-Aktivitäten: Wochenreport-Logs zeigen Anzahl der Suchen, Datenbanken, Treffer-Sets.
  • Sektion 5 Vigilanz-Statistik: FDA MAUDE + BfArM-Aggregation mit Trend-Analyse.
  • Sektion 7 Klinische Bewertung: Literatur-Tabelle mit allen relevanten Studien der Berichtsperiode.

Der MDCG-2020-8-konforme Word-Export liefert diese drei Sektionen als fertigen Anhang. Sie übernehmen ihn 1:1 in Ihre Master-PSUR-Datei. Die übrigen Sektionen (Verwaltungsinfo, PMCF, CAPA, IFU) bleiben in Ihrem QMS-System.

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