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MDR-Pflicht & Berichtsstrukturen

Trendreport vs. PSUR: Welcher Bericht wann?

Trendreport (Art. 88) und PSUR (Art. 86) werden in der Praxis häufig verwechselt. Wir erklären die Trigger, Inhalte und Adressaten — mit Entscheidungsbaum für die schnelle Audit-Vorbereitung.

MDR Art. 87 und Art. 88 regeln die Vigilanz-Berichterstattung — getrennt vom regulären Periodic Safety Update Report (Art. 86). In der Praxis ist die Abgrenzung schwierig: Wann wird aus einer Häufung von Vorkommnissen ein meldepflichtiger Trend? Wann reicht der nächste reguläre PSUR? Dieser Artikel liefert die saubere Differenzierung — mit Beispielen, Tabellen und einem Entscheidungsbaum.

Veröffentlicht: 2026-04-27 · Letzte Aktualisierung: 2026-04-27

Zwei verschiedene Berichte, häufig verwechselt

Der Periodic Safety Update Report (PSUR) nach Art. 86 MDR ist ein periodischer Sammelbericht: er fasst alle Vigilanz-Daten, Literatur-Funde, PMCF-Erkenntnisse und Risikobewertungen einer definierten Berichtsperiode (typisch jährlich) zusammen.

Der Trendreport nach Art. 88 MDR ist hingegen ein anlassbezogener Sonderbericht: er meldet eine statistisch signifikante Häufung von nicht-schwerwiegenden Vorkommnissen, die einzeln nicht meldepflichtig wären, in ihrer Kumulierung jedoch ein neues Risiko anzeigen.

Vereinfacht: PSUR = „was war in den letzten 12 Monaten” (regelmäßig). Trendreport = „aktuell läuft etwas auffällig schief” (anlassbezogen). Beide Berichte sind Pflicht — der eine ersetzt nicht den anderen.

Trigger-Tabelle — wann Trendreport, wann PSUR

Die Trigger der beiden Berichts-Typen unterscheiden sich grundsätzlich:

  • PSUR — kalendergetrieben, Frequenz nach Klasse (jährlich für IIb/III)
  • Trendreport — datenfeedback-getrieben, ausgelöst durch Schwellwertüberschreitung
  • PSUR — alle Datenquellen aggregiert (Literatur + Vigilanz + PMCF + Reklamationen)
  • Trendreport — fokussiert auf eine spezifische Vorkommnis-Kategorie
  • PSUR — Adressat: Notified Body über EUDAMED (Klasse IIb impl./III)
  • Trendreport — Adressat: BfArM (DE) oder zuständige Behörde, parallel an Notified Body

Inhalte im Vergleich

PSUR-Inhalte (MDCG 2020-8 Template): 1) Zusammenfassung der Risiko-Nutzen-Bewertung der Berichtsperiode. 2) Statistik der gemeldeten Vorkommnisse, FSCAs, Trends. 3) Auswertung neuer Literatur. 4) PMCF-Update-Status. 5) Schlussfolgerungen für Risikomanagement und klinische Bewertung.

Trendreport-Inhalte: 1) Beschreibung der beobachteten Häufung (Vorkommnis-Typ, Zeitraum, Anzahl). 2) Statistische Auswertung (z. B. 12-Wochen-Sliding-Window, Sigma-Abweichung). 3) Hersteller-Hypothese zur Ursache. 4) Geplante Untersuchungs- und ggf. Korrekturmaßnahmen. 5) Zeitplan der Folge-Berichte.

Wichtige Abgrenzung: ein PSUR enthält statistische Trend-Auswertungen — aber dies ersetzt keinen separaten Trendreport, falls eine Schwellwertüberschreitung kurzfristig festgestellt wird.

Adressaten — BfArM, Notified Body, EUDAMED

Die Adressaten unterscheiden sich je nach Bericht und Klasse:

PSUR: Klasse IIa — auf Anfrage an zuständige Behörde (BfArM in DE). Klasse IIb (nicht-implantierbar) — auf Anfrage an Behörde, an Notified Body als Teil des QMS-Audits. Klasse IIb (implantierbar) — über EUDAMED an Notified Body, Bewertung publik. Klasse III — über EUDAMED an Notified Body, Bewertung publik in EUDAMED-Datenbank.

Trendreport: an BfArM (DE) bzw. zuständige Behörde des Mitgliedstaats. Parallel-Meldung an Notified Body wird empfohlen, um Synergien mit dem laufenden Surveillance-Prozess zu nutzen.

EUDAMED-Status (April 2026): das Vigilanz-Modul ist noch nicht in der finalen Live-Version. Übergangsweise erfolgen Meldungen über das BfArM-Portal in DE, parallel als XML-Datei an Notified Body. Sobald EUDAMED-Vigilanz live ist, läuft alles über EUDAMED.

Entscheidungsbaum — Trendreport oder nicht?

Frage 1: Liegt eine statistisch signifikante Häufung nicht-schwerwiegender Vorkommnisse vor? Wenn JA → weiter; wenn NEIN → kein Trendreport, normale PSUR-Berichterstattung reicht.

Frage 2: Übersteigt die Häufung die im PMS-Plan vorab definierte Schwelle (z. B. 2 Sigma über 12-Wochen-Fenster)? Wenn JA → weiter; wenn NEIN → Beobachtung intensivieren, im PSUR thematisieren, kein separater Trendreport nötig.

Frage 3: Lässt sich die Häufung durch eine bekannte, im Risikomanagement bereits berücksichtigte Ursache erklären? Wenn JA → kein Trendreport, im PSUR aktualisieren; wenn NEIN → Trendreport an BfArM, Untersuchung einleiten.

Frage 4: Hat die Häufung das Potenzial, zu einem schwerwiegenden Vorkommnis (Art. 87) zu eskalieren? Wenn JA → zusätzlich FSCA prüfen, ggf. Sicherheitskorrekturmaßnahme einleiten.

Häufige Audit-Findings zu Trendreporten

Top-3-Findings aus TÜV-Audits zu Art. 87/88:

1) Fehlende Schwelldefinition im PMS-Plan: Hersteller hat keine vorab dokumentierte Trend-Schwelle festgelegt. Konsequenz: jede Häufung führt zu Diskussion „wäre das ein Trend gewesen?”. Major Non-Conformity.

2) Trend-Bewertung ad hoc statt systematisch: Vorkommnisse werden manuell in Excel gepflegt, keine systematische Statistik. Konsequenz: Trends werden zu spät erkannt, Meldefristen verletzt.

3) PSUR-Trendsektion fehlt: PSUR enthält keine eigene Trend-Auswertung (Art. 88 verlangt sie als Teil des PSUR-Inhalts). Konsequenz: PSUR wird vom Notified Body als unvollständig zurückgewiesen.

Vermeidung: PMS-Plan mit präziser Trend-Schwelle (z. B. 2 Sigma über 12-Wochen-Fenster), automatisierte Statistik (kein Excel), Trend-Sektion in jedem PSUR. MediLit-Scout liefert alle drei out-of-the-box.

Wie MediLit-Scout Trends automatisch flaggt

Sliding-Window-Statistik: 12-Wochen-Fenster über alle erfassten Vigilanz-Datenpunkte (FDA MAUDE + BfArM + Reklamationen-Import via API/CSV). Bei Überschreitung der konfigurierten Schwelle (default: 2 Sigma, anpassbar) wird ein Trend-Flag generiert.

Wochenreport-Integration: Trend-Flags erscheinen prominent oben im Wochenreport. Klickpfad zur Detailansicht zeigt Vorkommnis-Liste, Sigma-Berechnung und Vergleich zur Baseline. RA-Manager entscheidet auf Basis dieser Daten über die formale Meldung an BfArM.

Audit-Trail: jede Trend-Auswertung wird mit Datum, Datenpunkten, Berechnungslogik und ggf. RA-Manager-Entscheidung gespeichert. Bei TÜV-Audit weisen Sie nach, warum eine Häufung als Trend gewertet (oder nicht gewertet) wurde — inkl. Berechnungsbasis.

Praxis-Anwendung

Wie MediLit-Scout den Compliance-Aufwand löst

MediLit-Scout automatisiert den manuell aufwändigsten Teil dieser Pflicht: die kontinuierliche, dokumentierte Literatursuche. Wöchentlicher Multi-Source-Scan, audit-trail-fähige Suchhistorie, MDCG-2020-8-konformer Word-Export — direkt integrierbar in Ihre PSUR-/PMCF-/PER-Berichte.

Häufige Fragen

Beides ist möglich nötig. PSUR (Art. 86) ist die Periodik-Pflicht, Trendreport (Art. 88) ist anlassbezogen. Wenn in Ihrer Berichtsperiode eine Trend-Schwelle überschritten wird, schicken Sie sofort einen Trendreport — nicht warten bis zum nächsten PSUR.
Vorkommnisse, die einzeln nicht die Definition von Art. 87 (Tod, schwerwiegende Verschlechterung, schwerwiegende Gefahr) erfüllen — z. B. wiederholbare kleine Anwendungsfehler, Materialermüdungen ohne Patientenfolgen, sporadische Kalibrierungs-Probleme.
Der Hersteller — definiert vorab im PMS-Plan. Typische Definitionen: 2-Sigma-Abweichung über 12-Wochen-Fenster, oder prozentualer Anstieg > 50 % gegenüber Baseline. Notified Body akzeptiert Hersteller-Definition, sofern sie wissenschaftlich begründet und vorab dokumentiert ist.
Wiederholend mit Folge-Meldungen. Initial-Report → Untersuchungsergebnisse → Final-Report (typisch 3–6 Monate später). Bei dauerhafter Trend-Persistenz wird in den nächsten PSUR übergeleitet.

Trends automatisch erkennen — bevor TÜV nachfragt

MediLit-Scout liefert 12-Wochen-Sliding-Window-Statistik mit konfigurierbaren Schwellen für jedes Suchprofil.

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